Das Wahab

Bei Schreibzeugs  gab es den Aufruf nach einer Bildgeschichte, die so schrecklich wie möglich sein sollte. Ich habe mich der Challenge angenommen und hoffe, ihr mögt die Geschichte nicht. Viel Spaß mit dem Wahab.

 

Das Wahab streifte ziellos durch den Wald und überlegte sich, ob er denken konnte oder nicht. Immerhin hatte er ein Gehirn in der Größe einer Erbse und wusste jetzt auch nicht weiter. Die Sträucher und Äste peitschten im Wind hin und her, während er weiter darüber nachdachte, was er denn überhaupt für ein Geschlecht hätte.

Also blieb er stehen und zog sich aus. Er wusste, er war ein Wahab, allerdings war ihm nicht klar, was ein Wahab war, denn er hatte bisher noch keines gesehen. Nur seine Mama und sein Papa, aber die waren mittlerweile auch tot. Ob die dann wohl auch Wahabs waren? Wie sahen sie denn noch einmal aus. Er hätte das komische Wesen einfach fragen sollen, als es ihn als Wahab bezeichnet hatte. Wie konnte er das nur vergessen? Wie blöde war er eigentlich? Ach ja, das Wesen mit den vier Beinen und der langen spitzen Schnauze sagte ihm das mit dem kleinen Gehirn.

Endlich hatte er die Klamotten vom Leibe und blickte an sich herunter. Woher wusste man eigentlich, wer oder was man war? Wie sahen denn Mama und Papa noch einmal aus unter den Klamotten? Er musste unbedingt jemanden finden, der ihm die Frage beantworten konnte.

Völlig nackt ging er weiter, seine Sachen hatte er unter den Arm geklemmt und versuchte weiter nachzudenken, während er gleichzeitig nach anderen Wesen Ausschau hielt. Das war gar nicht einfach. Wie konnte er nur darüber nachdenken, welche Fragen er stellen sollte, wenn er zur selben Zeit nach anderen Wesen Ausschau halten sollte. Verzweifelt schüttelte er mit dem Kopf. Welchen Namen hatten ihm wohl seine Eltern gegeben? Oder war Wahab vielleicht sein Name?

Während er weiterging und sich nach Wesen umschaute, wurde der Wald immer dichter und es wurde dunkler und kühler. Eine Gänsehaut fuhr ihm über die Haut, als es ihn fröstelte, aber wenn er sich jetzt anziehen würde, könnten andere nicht feststellen, wer er war. Die Verzweiflung wurde immer größer und dicke Krokodilstränen liefen ihm über die Wange.

Immerhin roch es hier nach Bäumen und nach etwas anderem, dass er nicht zuordnen konnte. Schnüffelnd folgte er der Spur des unbekannten Geruchs. Oh, ein komisches Ding, was war das denn wieder? So etwas hatte das Wahab aber noch nie gesehen. Vorsichtig beugte er sich darüber. Das stank so ähnlich wie die Haufen, die er manchmal von sich gab. Na gut, nicht ganz so doll, aber fast. Vielleicht konnte ihm ein fremdes Wesen auch erklären, was das hier war. Also nahm er das komische Ding an sich und hielt es ganz weit weg von sich und nahm seinen Weg wieder auf.

Als er ganz lange unterwegs war, lief ihm endlich ein anderes Wesen über den Weg. Es war ganz beharrt und fraß sich durch die grünen Blätter, die immer von den Bäumen fielen und sich auf dem Kopf des Wahabs verfingen. Das fand er so was von nervig.

„Hallo du Blätterfresser“, begrüßte er das fremde Wesen.

„Hallo du Wahab“, kam es im quietschenden Ton zurück.

„Kannst du mir sagen, was das hier ist?“, fragte er und hielt dem fremden Wesen das komische Ding unter die Nase.

„Das ist eine Flasche mit Urin drin.“

„Ah, verstehe. Was ist Urin?“

Das fremde Wesen schaute ihn mit großen ungläubigen Augen an. „Das ist Pisse.“

„Oh, und was ist das?“

„Wahabs sind tatsächlich so blöd, wie man sagt. Das kommt dort vorne raus.“ Er deutete mit dem Finger zwischen die Beine des Wahabs. Da hing schon seit er denken konnte ein kurzer Schlauch und manchmal kam da was Flüssiges raus.

Das Gesicht des Wahabs erhellte sich. Ja das kannte er. Aber bei ihm roch es immer anders. Egal, er überlegte, was er noch fragen wollte. Dann fiel es ihm ein.

„Bin ich ein Mann oder eine Frau? Ich weiß es leider nicht.“

„Du bist ein Mann, eindeutig. Eure Frauen sind schlauer“, antwortete ihm das fremde Wesen prompt.

„Und weißt du wie ich heiße?“

„Nein, ich kenne dich nicht. Frag andere und jetzt stör mich nicht weiter.“

Das Wahab schaute traurig drein und ließ die Schultern hängen und wandte sich ab.

Das fremde Wesen seufzte, verdrehte die Augen und hielt es auf.

„Wenn du nicht weißt, wie du heißt, denken wir uns jetzt einen Namen aus. Aber könntest du dich bitte vorher anziehen? Das ist kein schöner Anblick.“

Eifrig nickte das Wahab und zog sich schnell an. Dann überlegten sie sich einen Namen.

Am Ende einigten sie sich auf ‚Konrad, das Wahab‘.

Glücklich zog Konrad, das Wahab mit seiner Flasche Pisse weiter und erzählte jedem der es hören und auch nicht, dass er ein Mann war, Konrad, das Wahab hieß und eine Flasche Pisse besaß.

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Patricia Renoth

Patricia Renoth verfasst Liebesromane bzw. Romance und New Adult. Die Autorin schreibt mit viel Kreativität und noch mehr Gefühl.

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